Symposium "Praktiken der Kooperation"

Impulse für das Verbundprojekt
„Digitale Souveränität für Kunsthochschulen“
4. bis 6. November 2026
„Kooperation“ und „Zusammenarbeit“ gelten heute vielerorts als zentrale Werte und prägen nicht zuletzt die künstlerische und akademische Praxis. Gleichzeitig sind viele Ausbildungs- und Institutionsstrukturen weiterhin stark auf individuelle Leistung, Konkurrenz und klare Zuständigkeiten ausgerichtet.
Im Digitalen zeigt sich dieser Widerspruch besonders deutlich, denn digitale Kooperation wird oft auf die Verwendung von digitalen Tools und Apps reduziert. In inter- und transdisziplinären Kontexten bedeutet sie jedoch auch, gemeinsame Prozesse auszuhandeln, Werkzeuge kritisch zu hinterfragen, Wissen miteinander zu teilen, Unsicherheiten auszuhalten und neue Formen des Zusammenarbeitens zu erlernen.
Mit dem Symposium „Praktiken der Kooperation“ möchten wir Kooperation und Kollaboration an Kunsthochschulen genauer untersuchen, Herausforderungen identifizieren und zugleich neue Formen der digitalen Zusammenarbeit erproben.
Das Symposium ist kostenlos, um Anmeldung wird gebeten.
Anmeldefrist: 26. Oktober 2026
Kunstakademie Karlsruhe
Vortragssaal
Reinhold-Frank-Straße 81
76133 Karlsruhe
Kontakt: symposium@atelier-dsk.org
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Verbund mit der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
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Symposium-Programm (PDF)Tabellarische Programmübersicht zum Ausdrucken (PDF)
Programm
Mittwoch, 04.11.
15.30 – 17.30 Uhr
Interner Workshop / nicht öffentlich:
Kooperation praktisch erproben – Werkzeuge und Perspektiven für digitale Souveränität an Kunsthochschulen
Interner Workshop mit Dr. Susanne Schumacher, Dr. Irene Ragaller und Renato Soldenhoff (Zürcher Hochschule der Künste, Zürich)
Was braucht es, damit digitale Souveränität an Kunsthochschulen zur kulturellen Praxis wird? In diesem Workshop kommen Fragen, Erfahrungen und Ideen buchstäblich auf den Tisch. Mit Bierdeckeln als Denk- und Gestaltungswerkzeug tauschen sich die Teilnehmenden über Hoffnungen und Befürchtungen rund um digitale Souveränität aus, identifizieren Herausforderungen der digitalen Zusammenarbeit und entwickeln eigene Formate für ihren Hochschulalltag.
Der Workshop basiert auf Formaten, die an der Zürcher Hochschule der Künste für die digitale Transformation entwickelt und angewendet wurden. Er verbindet Reflexion mit Experiment: Statt fertiger Antworten entstehen im gemeinsamen Tun neue Perspektiven, konkrete Ansätze und vielleicht auch visionäre Vorschläge. Zum Abschluss werden die entwickelten Ideen präsentiert und beim Apéro diskutiert. Anschliessend werden die Ergebnisse virtuell mit den Teilnehmenden geteilt.
Dr. Susanne Schumacher ist Kunstwissenschaftlerin und Alumna der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Wissenschaft, Strategie und digitalem Wandel und beschäftigt sich mit der Frage, wie Hochschulen Digitalisierung sinnvoll und menschlich gestalten können. Besonders interessieren sie offene Wissensräume, Innovation und neue Wege, Hochschule gemeinsam weiterzuentwickeln.
Dr. Irene Ragaller hat Critical and Cultural Theory studiert und ist seit 2013 in verschiedenen Rollen an der ZHdK tätig, so etwa in der Wissensvermittlung, in der Publikationsunterstützung und als wissenschaftliche Mitarbeiterin Digitale Transformation.
Renato Soldenhoff lehrt im Strategic Design an der Zürcher Hochschule der Künste, wo er den CAS Crafting Futures co-leitet. Seine Themen: Zukunftsdenken, Designmethodik und erfahrungsbasiertes Lernen. Mit dem «Unternehmen ohne Namen» überführt er diese in die Praxis, begleitet Organisationen in Entwicklungs- und Gestaltungsprozessen und fördert das Denken ausserhalb des Kopfes.
19.00-19.30 Uhr
Einführung – Offizielle Eröffnung
19.30-20.30 Uhr
Von der Möglichkeit des Gelingens – Kooperation zwischen Ethik, Medien und Digitalität
Keynote von Prof. Dr. Oliver Zöllner (Hochschule der Medien, Stuttgart)
In seiner Keynote stellt Oliver Zöllner das Konzept einer exemplarischen Lehrveranstaltung vor, die sich in den letzten Jahren in Form und Inhalt erheblich gewandelt hat: von einer typischen Präsenzvorlesungsreihe mit Folien hin zu einer Onlinevorlesung, in der der Dozent nur mit der Kraft seiner Worte als klassischer Vorleser auftritt: mit längeren Zitaten aus der Fachliteratur, die er immer wieder dialogisch aufgreift (eine Anleihe bei platonischen Dialogen) und so die teilnehmenden Studierenden zu einer Diskussion animiert. Die Oberthemen der letzten Jahre waren Kritische Theorie der Medien, Digitale Ethik, Radikaler Digitaler Humanismus, Leaving Social Media und (im WS 2026/27) die Ethik der künstlichen Intelligenz.
Die Prüfungsform der Vorlesung ist nicht mehr eine 90-minütige Klausur (wie bis 2021) oder ein Hausarbeitsessay (wie bis 2024), sondern ein mediales Produkt, dessen inhaltliche Ausgestaltung die Studierenden in 3er- bis 5er-Gruppen selbst bestimmen dürfen: Online-Magazine, aufbereitete Thesenpapiere, Websites, Audio- oder Video-Podcasts. In diesen Formaten sind die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis einzuhalten. Die Werke sollen (und werden), je nach Qualität, öffentlich präsentiert, die Podcasts etwa im Hochschulradio HORADS 88,6.
Ziel war also immer auch, die „Third Mission“ der akademischen Welt abzubilden. Leicht fiel und fällt dies den Studierenden nicht: Sie wurden und werden zum Experimentieren und Ausprobieren ermuntert; es herrscht während der ersten zwei Drittel des Semesters oft Unsicherheit; manche Projekte scheitern (erfolgreich), andere beeindrucken in Form und Inhalt sehr. Der Digitalmodus der Vorlesung schafft neue Möglichkeiten der Kooperation, zugleich aber auch Probleme der Distanz.

Oliver Zöllner ist seit 2006 Professor für Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation und Digitale Ethik an der Hochschule der Medien (HdM) Stuttgart. Er lehrt dort im Bachelor-Studiengang Digital- und Medienwirtschaft und in den Medienmaster-Programmen. Zusammen mit einer Kollegin leitet Zöllner an der HdM das Institut für Digitale Ethik und das Hochschulradio HORADS 88,6. Zudem ist er seit 2006 Honorarprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
ab 20.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen
Donnerstag, 05.11.
9.00-9.30 Uhr
Einführung
09.30-12.00 Uhr
Kollaboration gestalten – Digitale Räume, Werkzeuge und Urteilskraft.
Inputs von:
Kollaborative Urteilskraft
Prof. Dr. Markus Rautzenberg (Folkwang Universität der Künste, Essen)
Der Begriff der Autorschaft hat sich spätestens seit der Aufklärung zwischen zwei schwer vereinbaren Polen bewegt: Herder fasste Sprache als Ausdruck einer ursprünglichen, schöpferischen Individualität, der Autor als Genius, dessen innere Stimme sich im Werk materialisiert. De Saussure und der von der Kybernetik informierte Strukturalismus entgegneten, dass Bedeutung nicht aus dem Subjekt entspringt, sondern aus der Differenzstruktur der Zeichensysteme selbst: Sprache als anonymes Netz von Relationen, in dem das schreibende Subjekt allenfalls als Knotenpunkt oder Relaisstation fungiert. Mit der wachsenden Beteiligung von KI an gestalterischen und künstlerischen Prozessen scheint dieser Widerspruch zunächst zu eskalieren. Sind generative Modelle nicht das reinste Destillat eines strukturalistischen Sprachbegriffs, statistisch verdichtete Systemmuster, die ein emphatisches Autorenkonzept längst abgelöst haben? Doch an diesem Punkt kippt die Diagnose: Weil KI nicht ohne den spezifischen menschlichen Impuls funktioniert, der Richtung, Widerstand und verkörperte Urteilskraft in den Prozess einbringt, treffen in der kollaborativen Praxis beide Pole aufeinander. Das expressive Moment und das systemische werden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern in vielfältige Korrelationen versetzt, die weder der alten Genieästhetik noch dem „Tod des Autors“ entsprechen. Eine Kunsthochschule, die das ernst nimmt, darf diese Graustufen nicht regulieren oder domestizieren, sondern muss sie produktiv machen: als Ort, an dem die Bedingungen dieser Kollaboration kritisch reflektiert, erprobt und in Formsprache überführt werden.

Markus Rautzenberg ist Professor für Philosophie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienphilosophie, Bildtheorie, philosophische Ästhetik, Game Studies und Philosophie der Fotografie. Zu seinen Publikationen zählen: Bild und Spiel: Medien der Ungewissheit. Paderborn: Brill | Fink, 2020; „Matters of choice? Wahl und Entscheidung in algorithmischen Kulturen", in: Internationales Jahrbuch für Medienphilosophie, Jg. 6, Nr. 1, 2020, S. 81–94; „Virtuosen der Angst", in: Bildung des Narrativen. Transdisziplinäre Perspektiven auf intermediales Erzählen in der Postdigitalität.
München 2024.
Offene digitale Werkzeuge in der künstlerische-gestalterischen Praxis: Best Practices und Gegenspieler:innen
Dr. Daniel Wessolek (MediaLab Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg)
Der Beitrag untersucht den Einsatz offener digitaler Werkzeuge in der künstlerisch-gestalterischen Praxis als bewusste Alternative zu proprietären Softwaresystemen. Ausgehend von Kollektiven wie OSP (Open Source Publishing) aus Brüssel, die sich entschieden haben ausschließlich mit offener Software zu arbeiten und so eine Vielzahl von Designaufträgen realisiert haben und aktuellen Lehransätzen im Media Lab der AdBK Nürnberg, werden die konzeptionellen, souveränitäts-politischen und ästhetischen Vorteile der Nutzung offener Soft- und Hardware hervorgehoben: ihre Transparenz, nachhaltige Verfügbarkeit, Nachvollziehbarkeit und die Möglichkeit, der kollaborativen und selbstbestimmten (Mit-)Entwicklung. Offene Werkzeuge erweitern nicht nur den medialen Spielraum, sondern fördern auch technisches Verständnis, gemeinsames Lösen und eine kritisch-reflektierte Auseinandersetzung mit digitalen Produktionsbedingungen.
Anhand von Beispielen aus Lehre und Projektpraxis wird gezeigt, wie offene Technologien experimentelle Prozesse ermöglichen und zugleich Abhängigkeiten von geschlossenen Plattformen mit ihren Lizenzlogiken und Abofallen reduzieren und somit Wege aus der digitalen Unmündigkeit aufzeigen. Der Beitrag fragt außerdem, wie Paradigmen freier Softwareentwicklung innerhalb von Communities wie beispielsweise dem internationalen Libre Graphics Meeting und allgemein in Hackerkulturen Ausgangspunkt für strukturellen Veränderungen in Institutionen sein können, damit offene Werkzeuge im kunstakademischen Kontext ihr Potenzial voll entfalten können.

Dr. Daniel Wessolek ist Künstler, Designer und Forscher mit Schwerpunkten in Tangible Interaction Design, Lichtanimation, DIY/Do-it-Together, kollaborativen Technologien, Open-Source-Hardware, Designforschung und Dis/Ability Studies. Seit Oktober 2023 leitet er das Media Lab der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg mit einem Fokus auf offene Technologien.
Er studierte u. a. Medienkunst und -design an der Bauhaus-Universität Weimar, Kunsttheorie an der Tongji-Universität Shanghai und Digitale Medien an der HfK Bremen; 2016 promovierte er in Kunst und Design zum Thema „Simple Displays“. Er arbeitete, lehrte und forschte außerdem an mehreren Hochschulen und in Forschungsprojekten, unter anderem in Berlin, Boston, Weimar und Singapur.
KOLLABORATION IST KEIN TOOL: collaeb.org als digitaler Möglichkeitsraum für Voneinander-Lernen in Art(s) Education
Prof. Dr. Johanna Tewes (Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart)
Der Beitrag beleuchtet anhand der Plattform collaeb.org exemplarisch Formate und Erfahrungen digitaler Kollaboration in Art(s) Education als experimentelle und gestaltbare Praxis. Im Fokus stehen geteilte Verantwortung, fachliche Sichtbarkeit und kollaborative Wissensproduktion.

Johanna Tewes (Dr. phil.) ist Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften an der ABK Stuttgart. Zuvor war sie u.a. als Gastprofessorin für Kunstdidaktik mit Fokus auf Zentrale Herausforderungen der Gegenwart an der Kunstakademie Münster tätig. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: kollaborative und machtkritische Forschungs- und Schreibpraxen im Kontext von Transformationsprozessen, Artistic Research in der kunstpädagogischen Wissensproduktion sowie Phänomene postdigitaler (Bild-)Kulturen an der Schnittstelle von Kunst und Didaktik.
12.00-13.00 Uhr
Mittagspause (gemeinsames Mittagessen)
13.00-14.00 Uhr
Widersprüche kooperativ aushandeln –
kritilab's redaktionelle Praxis als Modell kollektiver Wissensproduktion an Kunsthochschulen
Lecture Performance von kritilab (Netzwerk aus sechs Hochschulen, u.a. München/Nürnberg/Wien/Basel)
kritilab ist eine digitale Plattform für Lehr- und Lernressourcen an der Schnittstelle Kunst und Bildung, gemeinschaftlich betrieben von sechs deutschsprachigen Kunsthochschulen. Die Plattform ist selbst eine Form institutionsübergreifender digitaler Kooperation: Redaktionsmitglieder aus verschiedenen hochschulischen Kontexten entwickeln gemeinsam Inhalte, Kriterien und Reflexionswerkzeuge: dezentral und ohne zentralisierte Steuerungsstruktur.
Unser Beitrag nimmt die Form einer kollektiven Lecture Performance an: Wir spielen ein redaktionelles Review-Meeting nach und öffnen so die gelebte Praxis kollektiver Wissensproduktion für die Konferenzcommunity – nicht als Präsentation fertiger Ergebnisse, sondern als Sichtbarmachen von Kooperationsprozessen zwischen institutionellen Logiken, Plattforminfrastruktur und kollektiver Selbstorganisation.
Als methodischen Rahmen nutzen wir Critical Diversity Indicators (Melissa Steyn), übertragen auf redaktionelle Praxis. Sie fragen: Wer bestimmt, welches Wissen Geltung hat? Wie wird Sprach- und Definitionsmacht im Kollektiv ausgehandelt? Wie lassen sich widersprüchliche Zugangsbedarfe produktiv machen statt durch Konsensfiktion aufzulösen?
Damit adressiert die Performance die Fragen des Symposiums: Wie werden kooperative Praktiken in hybriden Arbeitsumgebungen erlernt, und welche bleiben unsichtbar? Welche Strukturen fördern oder verhindern echte Zusammenarbeit? Wie lassen sich Wissen, Verantwortung und Entscheidungen teilen, ohne Differenz einzuebnen oder Zuständigkeiten zu zentralisieren? Und wie kann digitale Infrastruktur Teilhabe ermöglichen statt Zugang zu reproduzieren?
Das performative Format macht sichtbar, was schriftliche Dokumentation verdeckt: Reibung, Dissens und Care-Arbeit hinter kollaborativer Praxis. Scheitern und Unabgeschlossenheit werden so zu produktiven Momenten kollektiven Lernens.

Nargol Gharahshir ist Absolventin der Universität für angewandte Kunst Wien im Bereich Kunstpädagogik. Sie arbeitet als Kunstlehrerin an einer Schule, als freie Kunstvermittlerin und als ehrenamtliche Menschenrechtsbildnerin. Darüber hinaus nahm sie am Programm Art Educators in Residence der documenta fifteen teil und ist seit 2024 Teil des Redaktionsteams von kritilab.
Miki studiert Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Mikis Praxis gründet sich auf kollektiver künstlerischer Forschung, die institutionelle und räumliche Machtstrukturen untersucht, von der Kritik struktureller Gewalt im Hochschulbereich (Orte zum Weinen) bis hin zu utopischen Interventionen zur Rückgewinnung städtischen Raums (FAGWASA). Miki ist seit 2024 Mitglied des Redaktionsteams von kritilab.
Hannah Sperandio studiert derzeit Kunstpädagogik und Sport an der Akademie der Bildenden Künste München sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit den Anfängen ist Hannah ein aktiver Teil des kritilab-Redaktionsteams. Sie ist in die redaktionelle Arbeit eingebunden, war an der konzeptionellen Entwicklung der digitalen Plattform sowie ihres grafischen Erscheinungsbildes beteiligt und beschäftigt sich mit Fragen zu Macht in der Gestaltung städtischen Raums sowie mit Feedbackkulturen.
Prof. Dr. Eva Weinmayr arbeitet als Gastprofessorin für Critical Access an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel (FHNW). Ihre künstlerische Forschung fokussiert auf Mikropolitiken des Publizierens sowie dekoloniale trans*feministische Diskurse, Pädagogiken und Praktiken. 2022 initiierte sie gemeinsam mit Studierenden kritilab. Zu ihren aktuellen kollaborativen Projekten zählen Ecologies of Dissemination (2025, mit F. Snelting) und Teaching the Radical Catalogue—a Syllabus (2021, 2026 mit L. Kolb).
14.00-14.30 Uhr
Pause
14.30-16.30 Uhr
Kooperation institutionell denken – Konvivalität/Gemeinschaft und kritische Infrastruktur. Impulse von:
Solidaritätsprotokoll als Geste: Über die Rolle der Kunstakademie heute
Dr. Johannes Bennke (Medialab für Digitale Souveränität, Filmuniversität Babelsberg, Potsdam)
In der europäischen Hochschulpolitik wird digitale Souveränität im Allgemeinen als technologische Kontrolle über Infrastruktur und Daten definiert, um die Abhängigkeit von externen Dienstleistern zu verringern. Kunsthochschulen hingegen betrachten digitale Souveränität eher als eine Frage der Bildungs- und Medienkompetenz, wenn es um den Einsatz generativer KI für Lehr- und Forschungszwecke geht. In meinem Vortrag argumentiere ich, dass digitale Souveränität ein viel facettenreicherer Diskurs ist als der dominierende Bezug auf Kontrolle und Kompetenzen. Dabei wird nämlich ein wichtiger Punkt übersehen: Digitale Souveränität wird erst als Ergebnis einer Medienkonstellation etabliert. Um diese Konstellation besser zu verstehen, werde ich aktuelle Ansätze in der zeitgenössischen Kunst (Hito Steyerl), in Kulturinstitutionen (Furtherfield) und in der Archivpraxis (Holly Herndon und Matt Dryhurst) analysieren. Anschließend werde ich das „Solidaritätsprotokoll“ als alternatives Konzept vorstellen. In Anlehnung an Hannah Arendt werde ich darlegen, dass Solidarität ein Mittel ist, sich kritisch und kreativ mit anderen auseinanderzusetzen. Im Zentrum steht dabei die Art und Weise wie neue Technologien die Beziehung zu anderen gestalten und zeige, dass Protokolle als Formen begriffen werden können, die das Soziale organisieren. Mit Vilém Flussers Begriff der Geste verdeutliche ich, dass „Solidaritätsprotokolle“ nicht deterministisch sind, sondern eine gewisse Offenheit beinhalten, die sich nicht vollständig in kausalen Bedingungen erschöpft. Abschließend werde ich die möglichen Konsequenzen sowie kooperativen Infrastrukturen für eine Kunsthochschule als Form der sozialen Organisation aufzeigen, mit der wir im Media Lab für digitale Souveränität (MLDS) an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf experimentieren.

Dr. Johannes Bennke ist Leiter des Media Lab für digitale Souveränität an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und Projektleiter von zwei Projekten, die vom Postdoc-Netzwerk Brandenburg (PNB) und der Volkswagen Stiftung gefördert werden. Er ist Co-Sprecher der AG Medienphilosophie der Gesellschaft für Medienwissenschaft und Mitglied im Vorstand des Netzwerks für gute Arbeit in der Wissenschaft. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Medienphilosophie, Medienästhetik digitaler audiovisueller Kulturen und Ethik medialer Praktiken, insbesondere Protokolle zur Steuerung von KI und Archiven. Sein jüngstes Buch ist Obliteration. Für eine partikulare Medienphilosophie nach Emmanuel Levinas (transcript, 2023).
Self-Hosting NODE – from Nextcloud to Wiki to No Cloud at All
Alexander Roidl / Jeanne Charlotte Vogt (Frankfurt / NODE)
In unserem Beitrag gehen wir von der konkreten Self-Hosting-Infrastruktur des Vereins aus – Nextcloud, Wiki, Websites, Projekte – und öffnen sie für die Diskussion. Ausgehend davon fragen wir: Was bedeutet es, diese Infrastruktur selbst zu betreiben? Welche Abhängigkeiten entstehen, und was ist dafür nötig? Von dort bewegen wir uns weiter zu Fragen der kooperativen Arbeit und schließlich zu gesellschaftlichen Fragen – und erörtern, wo Kooperation mit oder ohne Konsens stattfindet.
Der NODE Verein zur Förderung Digitaler Kultur e.V. arbeitet seit 2008 in Frankfurt am Main an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. In unserer Arbeit beschäftigen wir uns mit offener Software, mit der gesellschaftlichen und politischen Dimension digitaler Medien und mit den Werkzeugen künstlerischer digitaler Praxis. Die eigene Arbeitsinfrastruktur wird dabei zum Ausgangspunkt: An ihr lässt sich zeigen, wie technische Gegebenheiten, organisatorische Herausforderungen und gesellschaftliche Fragen einander bedingen.
Unser Beitrag bewegt sich zwischen Vortrag und offenem Werkstattgespräch – mit dem Ziel eines geteilten Nachdenkens darüber, was kritische Infrastruktur im künstlerischen Raum heißt. Biografische Notizen.

Alexander Roidl ist Designer, Künstler und Medienforscher mit Hintergrund in Grafik- und Interaktionsdesign, Software-Art und Programmierung. Er arbeitete bis 2026 als Vertretungsprofessor für Medieninformatik im Kommunikationsdesign an der Hochschule Mainz und unterrichtet regelmäßig zu Creative Coding, Webtechnologie und Interaktionsdesign. Er hat einen MFA in Experimental Publishing vom Piet Zwart Institute (Rotterdam) und einen BA in Mediendesign der Hochschule Hof; von 2019 bis 2022 war er Dozent und Forscher an der Hochschule Den Haag. Er ist im Vorstand von NODE.
Jeanne Charlotte Vogt ist Künstlerische Ko-Leiterin des Frankfurter NODE Verein zur Förderung digitaler Kultur und arbeitet als Kuratorin und Dramaturgin international und zwischen Medienkunst, Performance und kultureller Bildung. Mit NODE entwickelte sie u.a. das Jugendmedienbildungsprogramm Digitale Welten oder display – Raum für digitale Praxis. Außerdem ist sie Ko-Initiator*in des Hamburger Kollektivs [in]operabilities, das zu Aesthetics of Access im Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters forscht. Als Quereinsteigerin in die Kunst glaubt sie an das vermittelnde und transformatorische Potenzial künstlerischer Praxis und fördert mit ihren Projekten den kritischen gesellschaftlichen Austausch zu Technologien mittels künstlerischer Zugänge.
16.30-17.00 Uhr
Pause
17.00-18.00 Uhr
Collaborative infrastructure for un/learning AI
Praxisberichte von: Lasse Scherfig (TH Köln) / Simon Maris (Hochschule Trier) / Florian Jenett (Hochschule Mainz)
Unter dem Titel "KI greifbar machen und begreifen: Technologie und Gesellschaft verbinden durch Gestaltung" haben wir in einem Verbund aus fünf Kunst- und Designhochschulen seit 2021 Lehre entwickelt, Erfahrungen ausgetauscht, Labore und Infrastruktur aufgebaut.
Fünf Jahre, zahlreiche Kurse, acht Konferenzen und drei Buchpublikationen später betreiben wir weiter ein Cluster für High-Performance-Computing in Kunst und Gestaltung, als souverän betriebene und kollaborativ verwaltete Infrastruktur über die Grenzen von fünf Hochschulen und drei Bundesländer hinweg. Das Cluster stellt Studierenden “Compute” bereit und dient als flexibler Experimentierraum für Lehre und Forschung. An seiner Oberfläche sitzt eine selbstentwickelte Lehr-Lernplattform, die Lehrende, Studierende, Kursmaterialien und die Rechenleistung des Clusters miteinander verknüpft.
Der Beitrag stellt die Erfahrungen bei der gemeinschaftlichen Gestaltung einer Infrastruktur in den Mittelpunkt, die digitale Souveränität als kulturelle und pädagogische Praxis versteht — von institutionellen Chancen und Hürden bis zur konkreten Ausgestaltung einer Plattform für digital souveränes Lehren und Lernen im Kontext der zunehmend zentralisierten technologischen Entwicklung von generativer KI.

Florian Jenett, Simon Maris und Lasse Scherffig arbeiten als Professoren in Designstudiengängen mit unterschiedlichem Fokus und an verschiedenen Hochschulen. Ihre jeweilige Arbeit ist interdisziplinär und nimmt in wechselnden Kontexten Fragen von Technologie, Ästhetik und Gesellschaft in den Blick. Von 2022 bis 2025 haben sie im Verbundprojekt KITeGG mit weiteren Aktuer*innen aus Kunst und Design zusammengearbeitet. Die darin entstandene Infrastruktur für High-Performance-Computing in Kunst und Gestaltung wird seitdem von fünf Hochschulen weiter genutzt.
18.00-19.00 Uhr
Abendpause
19.00-20.30 Uhr
Was kann Kunst beitragen zu digitalen Commons?
Keynote Cornelia Sollfrank, Phd (Berlin)
Dieser Frage ging das künstlerische Forschungsprojekt Creating Commons nach. Über einen Zeitraum von drei Jahren untersuchte das Team zusammen mit eingeladenen Künstlerinnen und Theoretikerinnen, wie ästhetische Praxis neue Tools entwickelt und zur Verfügung stellt, Infrastrukturen und Archive baut, Räume und Formate für kollaboratives Lernens sowie institutionelle Praxis neu erfindet. Besonderes Augenmerk legte das Projekt auf die Frage, wie diese Praxisformen herkömmliche Grundbegriffe von Ästhetik in Frage stellen beziehungsweise erweitern.

Cornelia Sollfrank (Phd) ist Künstlerin, Forscherin und Autorin und lebt in Berlin. Sie studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste München und Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (1987–1994). Sie promovierte an der University of Dundee (Vereinigtes Königreich), wo sie sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Urheberrecht und Kunst befasste. Ihre künstlerische Praxis ist eng mit ihrer wissenschaftlichen Forschung verflochten. Wiederkehrende Themen in ihrer künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit im Bereich der digitalen Kulturen sind künstlerische Infrastrukturen, neue Formen der (politischen) Selbstorganisation, digitale Urheberschaft, die Ästhetik der Commons, kritische Datenpraxis sowie technofeministische Praxis und
Theorie.
ab 20.30 Uhr
Gemeinsames Abendessen
Freitag, 06.11.
9.00-9.30 Uhr
Kooperation situieren: Bedingungen lesen, Spielräume erkennen, Veränderung ermöglichen.
Rückblick und Situierung des Verbundprojekts (DSK gesamt, Karlsruhe/Stuttgart)
9.30-10.30 Uhr
Infrastruktur lesen
Kuratierter Rundgang durch die Akademie mit Prof. Dr. Fabian Goppelsröder (Kunstakademie Karlsruhe)
10.30-10.45 Uhr
Kaffeepause
10.45-12.00 Uhr
Was bleibt, was führen wir weiter?
„Reality Check“: gemeinsame Verdichtung und Sum-Up
ab 12.00 Uhr
Ausklang: gemeinsames Mittagessen, Austausch, Vernetzung